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Nürnberger Nachrichten vom 09.04.2011 („Nürnberg Extra“)

Polieren am Image

Azubis geben Senioren Tipps zur Geldanlage

Erst entwickelten sie eine Internetplattform, die über Geldanlagen informiert, jetzt suchen sie den Austausch im direkten Dialog: Angehende Bankkaufleute luden in der Berufsschule 4 Senioren in ihre „Investors Lounge" ein - mit dem Ziel, das Image des Berufes zu verbessern.

Das Bild von der Branche ist schlecht. „Sie lassen den Kunden unwissend, machen ihn nicht gescheiter." „Sie denken nur an den Vorteil der Bank." „Es taucht der Verdacht auf, dass die Angestellten umsatzorientiert sind und ihre Kunden manipulieren." Drei von etlichen negativen Urteilen über den Berufsstand der Anlageberater, die die Börsengruppe des Computerclubs Nürnberg 50 plus unter ihren Mitgliedern gesammelt hat.

Entstanden vor zehn Jahren, als von der weltweiten Finanzkrise noch keine Rede war, dient die Gruppe dem regelmäßigen Erfahrungsaustausch. „Wir beraten uns gegenseitig", sagt der Leiter der lockeren Runde, Fritz Burtak. Das mache ein Stück weit unabhängiger von den Tipps der Experten. in die Berufsschule ist der 73-Jährige trotzdem gerne gekommen. Er habe keine Vorurteile gegenüber dem Nachwuchs, versichert Burtak.

Die angehenden Bankkaufleute jedoch haben sehr wohl. das Gefühl, dass sie für die Fehler anderer mitverantwortlich gemacht werden. Viele Kunden redeten sich erst einmal den Frust von der Seele, sagt Julian Söder. „Ich wurde früher schlecht beraten", diesen Satz bekam der 22-Jährige schon des Öfteren zu hören. Es sei schwer, darauf zu reagieren, sagt Söder, der bislang ohnehin nur unter den Augen eines erfahrenen Kollegen seine Tipps weitergeben darf. „Wir lernen ja gar nicht, wie wir damit umgehen sollen."

Auch sonst haben er und seine Mitschüler gelegentlich mit ihrer Jugend zu kämpfen. „Sie sind zu jung, Sie können das noch nicht", mussten sich Valerie Friedrich und Luisa Weise sagen lassen, als sie am Bankschalter ihre Dienste anboten. Komme es zu einem längeren Beratungsgespräch, könne er solche Vorurteile jedoch erfolgreich widerlegen, sagt Tim Schemm (23).

Projekt als Chance

Deshalb sehen die Auszubildenden auch die „Investors Lounge" als Chance an. Angestoßen hat das Projekt ihr Lehrer Peter Kührt, der mit seinen Schülern vor einem Jahr schon die Internet-Plattform „Anlage-Coach" entwickelt hat (wir berichteten). Mit Hilfe eines kurzen Tests können Anleger ergründen, wie risikofreudig sie sind - und sich anschließend über die zu ihnen passenden Anlageformen informieren. Leichte und verständliche Informationen für „ganz normale Leute" haben die Schüler zusammengetragen, sagt Kührt, der das Projekt nach wie vor für aktuell hält. Denn die meisten Institute hätten nicht viel aus der Bankenkrise gelernt: „Im Moment wird schon wieder alles verkauft, auch viele riskante Anlagen."

Bei den kurzen Vorträgen über verschiedene Anlageformen, die die Schüler vorbereitet haben, steht deshalb auch das Kriterium der Sicherheit an erster Stelle. „Die Infos sind Grundlage für einen lockeren Erfahrungsaustausch, der sich, wie Kührt hofft, im kommenden Schuljahr fortsetzen soll. Die Premiere war aus seiner Sicht in jedem Fall gelungen.          Roe

Die Börsengruppe des Computerclubs trifft sich alle zwei Wochen von 14 bis 16 Uhr im Heilig-Geist-Haus, nächster Termin ist der 21. April. Anlagetipps der Schüler sind nachzulesen im Internet unter www.anlage-coach.de